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Experten-Interview Teil 1: Zwischen Stabilität, Fülle und „Mut-Magie“

Die Psychologin und Happiness-Mentorin Nathalie Marcinkowski setzt sich tagtäglich mit dem Glück vieler verschiedener Menschen auseinander: Neben der Organisation von Glücks-Kursen und Workshops beschäftigt sie sich im Rahmen von Einzelmentorings am liebsten mit – wie sie es nennt – direkter Glücksarbeit. Nebenher schreibt sie auf ihrem Blog happyroots.de regelmäßig über ihr absolutes Expertenthema: die Positive Psychologie.

Doch damit nicht genug: Bereits im August vergangenen Jahres ist Nathalies erstes Buch mit dem Titel „Was glückliche Menschen anders machen“ erschienen. Darin begleitet sie den Leser bei einem dreistufigen Entfaltungsprozess auf dem Weg zu seinem persönlichen Glück. 

In einem Interview nahm Nathalie mich auf diesem Weg ein Stück mit und gab mir spannende Antworten auf meine Fragen rund um Glück, seine Voraussetzungen und echte „Glücks-Killer“.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

Im August vergangenen Jahres ist Nathalies Buch „Was glückliche Menschen anders machen“ im TRIAS-Verlag erschienen. Foto: Nathalie Marcinkowski

lifeisfullofsweets: Liebe Nathalie, es freut mich sehr, dass du dich für dieses Interview bereiterklärt hast – vielen Dank bereits vorab! Als Happiness-Mentorin hast du ja schon einige Erfahrungen zum Thema Glück gesammelt. Wie würdest du Glück aus diesen Erfahrungen heraus definieren?

Nathalie Marcinkowski: Liebe Sarah, danke für die Einladung zum Interview – und diese erste spannende Frage. Die bisher schönste und prägnanteste Definition für Glück: Sich wirklich lebendig zu fühlen.

Mit Sicherheit kennst du solche Momente auch, Momente, in denen du ganz da bist, dich freudig, frisch, lebendig und klar fühlst. Du gibst Körper, Kopf und Herz in das hinein, was du tust oder erlebst. Solche Momente geben uns einen Geschmack davon, was es bedeutet, glücklich zu sein. Aus meiner Erfahrung kann man sogar auf diese Weise lebendig sein, wenn es gerade nicht ganz so angenehm ist oder, wenn man in einer Herausforderung steckt. Das bedeutet, dass Glück immer weniger von äußeren Umständen abhängig ist.

“ Die bisher schönste und prägnanteste Definition für Glück: Sich wirklich lebendig zu fühlen.“ Foto: Cata / Unsplash

lifeisfullofsweets: Würdest du dich denn selbst als glücklich beschreiben? Und was bedeutet Glück für dich persönlich?

Nathalie Marcinkowski: Das schwankt – wie bei jedem anderen auch. Ich erlebe definitiv Tage, an denen ich mich nicht glücklich fühle und an denen ich handfesten Herausforderungen ins Gesicht sehe, ohne zu wissen, wie ich mit ihnen umgehen soll.

An solchen Momenten kann ich aber auch gut festmachen, was Glück für mich persönlich bedeutet. Zum einen ist es ein riesiges Glück, dass ich liebe Menschen in meinem Leben habe, die für mich da sind. Und zum anderen merke ich in solchen Momenten, dass sich in mir über die Jahre etwas verändert hat: Ich habe den Eindruck, nicht mehr „so tief zu fallen“ wie noch vor einiger Zeit bei sehr ähnlichen Herausforderungen. Und vor allem fange ich mich viel schneller wieder – ich komme schneller zurück in ein Gefühl von Vertrauen, Leichtigkeit und Flow. Manchmal sogar, obwohl die Herausforderung noch da ist.

Und das ist es, was sehr glückliche Menschen auch erleben: Ihr Leben ist nicht frei von Herausforderungen oder richtig miesen Tagen. Aber sie gehen stabiler durch sie hindurch.

lifeisfullofsweets: Du sprichst in Bezug auf dein Happiness-Coaching immer wieder von sogenannten Prinzipien, die das Glück stärken. Welche Prinzipien sind das?

Nathalie Marcinkowski: Diese Prinzipien basieren zum einen auf den Erkenntnissen aus der Wissenschaft darüber, was glückliche Menschen anders machen. Beispiele hierfür sind:

Sie lieben sich selbst. Sie kennen ihren inneren Schatz an Stärken und Fähigkeiten. Sie sind ausgerichtet auf etwas, das sie mit Sinn erfüllt und gehen dem in ihrem Alltag nach. Sie kennen und gehen ihren Weg. Sie sind auf diesem Weg bereits glücklich: Das ist ein absoluter Schlüssel! Sie nähren ihre nahen Beziehungen und machen sie zur wundervollen, wechselseitig unterstützenden Säulen in ihrem Leben.

Zum anderen gibt es Prinzipien, die die Wissenschaft noch nicht wirklich zu fassen bekommen hat – die ich aber an mir selbst und Klienten beobachte. Ein Prinzip ist die „Mut-Magie“. Wenn wir vor einer Entscheidung stehen, die uns Angst macht, wo unser Herz aber gleichzeitig ganz deutlich spricht – und wir uns für unser Herz entscheiden, passieren Wunder.

„Wenn wir uns für unser Herz entscheiden, passieren Wunder!“ Foto: Tyler Nix / Unsplash

lifeisfullofsweets: Welche Möglichkeiten gibt es, diese Prinzipien in das eigene Leben zu integrieren?

Nathalie Marcinkowski: Was sich echt seltsam anhört, aber worauf ich immer wieder stoße, ist die folgende Voraussetzung für all diese Prinzipien, die bei so vielen von uns nicht gegeben ist. Auch bei mir war sie nicht gegeben. Und das ist: Sich zu erlauben, glücklich zu sein. Oder sich zu erlauben, liebevolle, unterstützende Beziehungen zu haben. Sich zu erlauben, dem eigenen Herzen zu folgen. Und es sich zu erlauben, es für möglich zu halten, dass dann Magisches passieren kann.

lifeisfullofsweets: Gibt es auch Faktoren, die unserem Glück entgegenwirken?

Nathalie Marcinkowski: Das Hauptding, was unserem Glück entgegenwirkt, sind Grundüberzeugungen über uns, andere oder die Welt, die negativ und manchmal sogar zerstörerisch sind. So etwas wie „Ich muss mich jetzt hier durch pushen“ oder „Ich bin dumm, hässlich, wertlos“. All das hört sich nach heftigen Sachen an und leider sind diese Glaubenssätze in viel mehr Menschen aktiv, als man annehmen könnte. Ehrlich gesagt glaube ich, dass sie in nahezu jedem von uns aktiv sind, weil unsere Gesellschaft so gestrickt ist, dass sie diese Überzeugungen produziert und verstärkt.

Diese Glaubenssätze führen dann dazu, dass wir am falschen Ort nach dem Glück suchen: im Außen und in der Zukunft; und ihm nachjagen. Dieses Phänomen wird in der Wissenschaft „hedonistische Tretmühle“ genannt und führt nicht zum Glück. Tatsächlich verstärkt sie Unglück und damit das Minuszeichen vor unserem Erleben.

lifeisfullofsweets: Kannst du uns zum Abschluss eine Übung an die Hand geben, mit der man sich auf einfache Weise und jederzeit mehr Glück in seinen Alltag holen kann?

„Schau dich jetzt einmal um: Wo entdeckst du gerade Fülle?“ Foto: Anders Jilden / Unsplash

Nathalie Marcinkowski: Schau dich jetzt einmal um: Wo entdeckst du gerade Fülle? Das kann auch nur ein Funken sein. Vielleicht der Baum vor dem Fenster. Ein inspirierendes Buch in deinem Regal. Das Geschenk eines lieben Menschen, das von Herzen kam.

Und dann wende dich nach innen: Wo entdeckst du in dir Fülle?

Der Trick ist: Fülle ist schon da. Wir dürfen ihr erlauben, sich zu zeigen.

Titelbild: Wesley Tingey / Unsplash

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