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Wie ich mir vornahm, glücklich zu sein

„All unser Streben ist ausgerichtet auf ein glückliches Leben.“

Das schrieb bereits der griechische Philosoph Aristoteles in der griechischen Antike. Und tatsächlich kann man beobachten: Werte wie Zufriedenheit, Erfüllung und Glück nehmen aktuell in unserer Gesellschaft einen immer höheren Stellenwert ein. Trends wie Demokratisierung und Individualisierung sind nicht nur in aller Munde – sie prägen auch zunehmend das Leben der jüngeren Generationen.

Denn gerade zu Beginn des Studiums und der Berufstätigkeit müssen Entscheidungen getroffen werden, die Auswirkungen auf das ganze Leben haben. Spätestens zu diesem Zeitpunkt beginnt für junge Menschen die große Suche nach sich selbst und dem individuellen Glück. Kommt euch das bekannt vor? Mir auch und mal ehrlich – solche Entscheidungen müssen ja auch wirklich gut durchdacht sein. Schließlich leben wir nur einmal.

Besonders zu Beginn des Berufslebens machen sich junge Menschen auf die Suche nach ihrem individuellen Glück. Foto: MD Duran / Unsplash.

Grundsätzlich ist das Streben nach Glück also erst einmal etwas ganz Natürliches. Ich selbst hatte in den letzten Jahren jedoch mehr und mehr das Gefühl, dass Glücklichsein fast zu einer Art Pflicht und Erwartung in der Gesellschaft geworden ist. Menschen beginnen, zwanghaft nach ihrer individuellen Erfüllung und dem großen Glück zu suchen und verzweifeln regelrecht, wenn sie nicht das Nonplusultra finden, das sie sich vorgestellt haben. Doch muss Glücklichsein wirklich so anstrengend sein?

Verschiedene Arten von Glück

Um das herauszufinden ist es gut zu wissen, was sich hinter dem Begriff „Glück“ eigentlich verbirgt. Aufgrund der vielen verschiedenen Ansätze rund um das Trendthema ist eine Definition des Begriffs nicht ganz einfach.

Finger halten vierblättriges Kleeblatt in der Hand
Ein vierblättriges Kleeblatt soll Glück bringen: Damit ist es ein Symbol für eine Art von Glück, die man selbst nicht beeinflussen kann. Foto: Amy Reed / Unsplash.

Was jedoch feststeht: Es gibt einen Unterschied zwischen Zufallsglück (engl.: „luck“) und Lebensglück (engl.: „happiness“). Das Zufallsglück unterscheidet sich vom Lebensglück dadurch, dass es sich nicht beeinflussen lässt und – wie der Name sagt – dem Zufall überlassen ist. Zufallsglück ist also nicht das, was wir unter Glück verstehen, wenn wir uns darüber Gedanken machen, wie wir unser Leben gestalten möchten. Lebensglück hingegen hat etwas mit dem persönlichen Wohlbefinden und überwiegend positiven Gefühlen mit Blick auf das eigene Leben zu tun.

Glück ist eine subjektive Wahrnehmung

Der holländische Soziologe Ruut Veenhoven definiert Glück als „Maß oder Grad, in dem ein Mensch mit der Qualität seines eigenen Lebens insgesamt zufrieden ist“. Es setzt sich dabei aus zwei Komponenten zusammen: aus der Stimmung, die daraus resultiert, wie angenehm wir Gefühle empfinden und aus der Zufriedenheit, die aus dem Vergleich der aktuellen Lebenssituation mit der Idealvorstellung entsteht.

Glück im Sinne des englischen Wortes Happiness ist subjektiv und hängt nach dem holländischen Glücksforscher Veenhoven davon ab, wie sehr man mit dem eigenen Leben zufrieden ist. Foto: Alessandro Sicari / Unsplash

Ansätze aus der Glücksforschung betonen außerdem, dass Glück nicht bedeutet, nie negative Gefühle zu haben. Wenn wir ununterbrochen positive Gefühle hätten, würden wir sie irgendwann nicht mehr wahrnehmen. Laut Glücksforschern bedeutet Glück stattdessen, dass die positiven Gefühle die negativen im Endeffekt überwiegen.  

Glück entsteht im Mittelhirn

Doch woher weiß denn eigentlich unser Körper, dass wir glücklich sind? Der Auslöser des Glücksgefühls liegt in einer Ansammlung von Neuronen im Mittelhirn. In Glückssituationen stoßen die Neuronen den Neurotransmitter und Glücksstoff Dopamin aus und leiten ihn ins untere Vorderhirn weiter. Beim Empfang des Dopamins produzieren die Neuronen im Vorderhirn opiumähnliche Stoffe, die uns für eine begrenzte Zeit glücklich und euphorisch stimmen.  

Dem eigenen Glück auf die Sprünge helfen

Nach diesem kurzen Ausflug in die Glücksforschung sind wir nun wieder bei unserer Ausgangsfrage angekommen: Können wir unser Glück beeinflussen und wenn ja – können wir eine zwanghafte Suche danach vermeiden? Dazu passt folgendes Zitat von Abraham Lincoln:

„Die meisten Menschen sind so glücklich, wie sie es sich selbst vorgenommen haben.“

Was mir in der Vergangenheit oft an mir selbst aufgefallen ist: Ich nahm viel öfter das Glück anderer Menschen wahr, als mein eigenes Glück. In einer sehr materiell eingestellten Gesellschaft neigen wir außerdem häufig dazu, zu glauben, dass unser Glück davon abhängig ist, was wir besitzen. Dabei werden wir unter anderem stark von Werbung und Marketing beeinflusst und beginnen, unsere eigene Welt mit fiktiven Scheinwelten zu vergleichen.

Was uns wie glücklich macht, hängt von unserer individuellen Einstellung ab. Foto: Priscilla Du Preez / Unsplash

Diese Denkweise ist jedoch ein Trugschluss: Die Wahrheit ist, dass Glück individuelle Einstellungssache ist und somit von uns selbst beeinflusst werden kann. Oft denken wir zu groß, zu sehr in die Zukunft, zu pessimistisch, zu perfektionistisch. Die Voraussetzung für Glück ist jedoch, dass wir wieder offener für die kleinen Dinge sind, dass wir mit dem Glück rechnen und uns darauf einstellen. Dafür müssen wir Achtsamkeit und Dankbarkeit üben. Tun wir das nicht, ziehen die vielen kleinen möglichen Glücksmomente, die der Alltag für uns bereithält, einfach an uns vorbei. Oder wie schon Wilhelm Busch sagte:

„Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.“

Mein Fazit

Ich habe mir daher für mich persönlich fest vorgenommen, nicht in eine zwanghafte Suche zu geraten, sondern stattdessen aufmerksam zu sein und das Hier und Jetzt zu schätzen. Je achtsamer man wird, desto mehr kleines Alltagsglück fällt einem übrigens auf …

Zum Abschluss möchte ich aber nun von euch wissen: Wie seht ihr das mit dem großen oder kleinen Glück? Glaubt ihr auch, dass ihr manchmal achtsamer und dankbarer durchs Leben gehen müsstet?

Titelbild: Sasha Freemind / Unsplash

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